Fritz Iversen
Altenhainerstrasse 16
61462 Königstein
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Stellt man das Radio an, teilen sich die Höreindrücke in zwei Erfahrungsbereiche: Die Schönen und die Hässlichen. Zu den Hässlichen zählt – machen wir uns nichts vor – auch die Radiowerbung. Im Gegen- satz zu den Augen, die man betreten abwenden oder schließen kann, hat das Ohr keine Fluchtmöglichkeit. Das hat zur Folge, dass Funkwerbung sogar physi- sches Unbehagen hervorrufen kann. Oft ist sie nicht auszuhalten. Wie plump Werbung auch für die anderen Kanäle gedacht, geschrieben und gemacht sein mag – im Radio spürt es jeder sofort. „Witzig, witzig“ ist fast alles. Charmant, hinrei- ßend, überzeugend fast nichts. Immer wieder gibt es Funkspots, unerträglich wie ein Juckreiz an der Fußsohle, die man schnell auf Lautstärke null herunterpegelt. Dann wird zur Sinnesqual, was sich eigentlich den Sinnen einschmeicheln soll. Dieses Medienereignis flößt mir einen Riesenrespekt ein, wenn ich einen Funk- spot entwickeln und aufnehmen soll.
Vieles, was in anderen Medien funk- tioniert, funktioniert im Funk überhaupt nicht. Schon eine ganz nüchtern gehalte- ne, „normal“ mitgeteilte Werbebot- schaft wird im Funk nach circa 10 Sekunden zur Folter fürs Ohr. Ich werde deshalb nicht müde, meinen Kunden zu sagen: Funk ist das schwierigste Medium. Vergessen Sie nie, wie weh das tun kann. Und da beginnt es, reizvoll zu werden. Es gibt ja noch die andere Seite des Radios – die Schöne. Das Radio ist – meist jenseits des Dudel- funks – voll von den wundersamsten Tönen, Musiken, Stimmen, Szenen, For- men, Hörbildern und akustischen Räumen, bei denen einem die Ohren plötzlich auf gehen und es Spaß macht zuzuhören. Merkwürdig: Der Kosmos ist so gut wie unentdeckt. Die Divergenz ist krass zwischen dem, was wir Werber den Leuten ins Ohr tröten, und dem, was z. B. in Hörspielen zu hören ist. Da ist noch viel für die Funkspot-Texter zu tun. Nur erst einmal die Ohren aufsperren und mit dem Hören beginnen.